Länder-Informationen zu Uruguay

Kurzinformation:

Flache: 177 414 km2
Einwohner: (2000) 3,322 Mio.
Hauptstadt: Montevideo
Verwaltungsgliederung: 19 Departamentos
Amtssprache: Spanisch
Nationalfeiertag: 25.8.
Wahrung: 1 Uruguayischer Peso (urug$) = 100 Centesimos (cts)
Zeitzone: MEZ – 4 Stunden

(amtlich spanisch Republica Oriental del Uruguay, deutsch Republik Ostlich des Uruguay, Republik Uruguay), Staat im Sudosten Sudamerikas zwischen Atlantik im Sudosten, Rio de la Plata im Suden, Rio Uruguay (Grenze zu Argentinien) im Westen und Brasilien im Norden und Nordosten. Staat und Recht:

Nach der Verfassung von 1967 (mehrfach, zuletzt 1997, revidiert) ist Uruguay eine prasidiale Republik. Staatsoberhaupt und oberster Inhaber der Exekutive (Regierungschef) ist der auf 5 Jahre direkt gewahlte Prasident. Die Legislative liegt beim Zweikammerparlament (Legislaturperiode 5 Jahre), bestehend aus Senat (31 Mitglieder) und Abgeordnetenhaus (99 Abgeordnete). Einflussreichste Parteien: Frente Amplio-Encuentro Progresista (ein Bundnis verschiedener Linksparteien), Partido Colorado (Colorados), Partido Nacional (Blancos).

Landesnatur:

Uruguay erstreckt sich nordlich des Rio de la Plata als flachwelliges, weites Hugelland (100-150 m uber dem Meeresspiegel) mit N-S oder O-W verlaufenden, einzelnen Hohenrucken (so genannte Cuchillas), das durch die zum Rio Uruguay flie?enden Flusse (Rio Negro als Hauptstrom) gegliedert wird. Nur 10% des Landes ubersteigen 200m uber dem Meeresspiegel. Die hochste Erhebung findet sich mit 501m uber dem Meeresspiegel in der Sierra de las Animas im Sudosten. Die Atlantikkuste im Sudosten ist flach, zum Teil sumpfig, mit Strandseen (v.a. Laguna Merin). Das Klima ist warmgema?igt, subtropisch, vollhumid, aber mit starken Schwankungen von Temperatur und Niederschlagen (im Suden etwa 900-1000 mm, im Norden zum Teil uber 1300 mm), gelegentlich beeinflusst von Kaltlufteinbruchen (Pamperos) aus dem Suden. Vorherrschend sind die weiten, heute baumarmen oder baumlosen Grasflachen der Campos, die als naturliche Weide genutzt werden.

Bevolkerung:

Um 1830 starben die letzten Indianer aus. Rund 90% der Bevolkerung sind europaischer (besonders spanischer und italienischer) Abstammung (im Wesentlichen im 19./20 Jahrhundert eingewandert); den Rest bilden Mestizen und Mulatten. Rund 700 000 Uruguayer leben im Ausland. Uber 40 % der Gesamtbevolkerung konzentrieren sich im Bereich der Hauptstadt Montevideo. Uber 70 % der Bevolkerung gehoren der katholischen Kirche an, etwa 3 % protestantischen Kirchen (besonders Pfingstler, Waldenser, Adventisten). Die judische Gemeinschaft zahlt rund 32 000 Mitglieder. Es besteht allgemeine Schulpflicht vom 7. bis 14. Lebensjahr. Die Analphabetenquote betragt 2,9 %. Es gibt eine staatliche Universitat in Montevideo (gegrundet 1849), eine katholische Universitat und drei weitere Hochschulen.

Uruguay ist ein Agrarstaat mit bedeutender Viehhaltung bei vorherrschendem Gro?grundbesitz (Estancias). Gemessen an der Hohe des Bruttosozialproduktes gehort es zu den reichsten Landern Sudamerikas. Die Landwirtschaft erbringt den gro?ten Teil des Exportwertes. Die traditionell auf Fleisch- und Wollerzeugnisse orientierte Viehzucht (Rinder, Schafe, Pferde) wird in extensiver Weidewirtschaft (uber 80 % der landwirtschaftlichen Nutzflache) betrieben. Wichtige Anbauprodukte sind Reis, Weizen, Gerste, Zuckerrohr, Zuckerruben, Mais und Sorghumhirse. Nach staatlicher Forderung zeigt die Fischerei wachsende Ertrage, sodass Fisch jetzt ein wichtiges Ausfuhrprodukt darstellt. Schwerpunkt der Industrie ist die Verarbeitung landwirtschaftlicher Rohstoffe (v. a. von Fleisch). Bedeutendster Industriestandort ist Montevideo. Mit der Fertigstellung der Kraftwerke von Salto Grande und El Palmar (Uruguay, Rio) ist die Umstellung der nun zu 2/3 auf Wasserkraft basierenden Energieerzeugung fast abgeschlossen. Uruguay ist arm an Bodenschatzen. Es wird v. a. Kalk (Zementherstellung) abgebaut. Wirtschaftsfaktor mit steigender Tendenz ist der Fremdenverkehr (Badestrande). Die bedeutendsten Handelspartner sind Brasilien, Argentinien, die USA und Deutschland

Das gut entwickelte Verkehrsnetz ist auf die Hauptstadt ausgerichtet. Das Eisenbahnnetz umfasst 2 073 km, das Stra?ennetz 50 900 km. Hauptbinnenschifffahrtswege sind der Rio de la Plata und der Rio Uruguay. Wichtigster Seehafen ist Montevideo; internationaler Flughafen Carrasco bei Montevideo. Nationale Fluggesellschaft ist die PLUNA.

Geschichte:

Das Gebiet von Uruguay wurde 1516 durch den Spanier J. Diaz de Solis entdeckt. Die kriegerischen Charrua, die dort siedelten, verhinderten lange Zeit die endgultige Kolonisierung des Landes, das als »Banda Oriental de Uruguay« zum spanischen Machtbereich gehorte, jedoch auch von Portugiesen besiedelt wurde. Als Gegengewicht zu deren Expansion grundeten die Spanier 1724 Montevideo. Nach wechselvollen Kampfen kam es erst 1777 zum Frieden von San Ildefonso, durch den das Gebiet endgultig spanisch und Teil des Vizekonigreichs Rio de la Plata wurde. Die Ausrufung der argentinischen Unabhangigkeit 1810 fuhrte auch in Uruguay zur Erhebung gegen die spanische Kolonialherrschaft, doch wurde das Land 1817 von Brasilien besetzt und diesem angegliedert. Erst 1828 erreichte es Eigenstaatlichkeit. Die folgenden Jahrzehnte waren von Burgerkrieg und Parteienstreit (zwischen den liberalen Colorados und den konservativen Blancos) bestimmt. Mit Brasilien und Argentinien nahm Uruguay am Krieg gegen Paraguay teil (1865-70; Paraguay, Geschichte). Unter J.Batlle y Ordoez (Colorados, Prasident 1903-07 und 1911-15) wurde Uruguay ein moderner Staat mit Arbeitsgesetzgebung, staatlicher Sozialfursorge, verbesserter Infrastruktur.

1919 trat durch Verfassungsanderung an die Seite des Prasidenten ein Staatsrat. In der Wirtschaftsdepression loste Prasident G.Terra (Colorados, 1931-38) diesen und das Parlament auf und regierte autoritar. Prasident A.Baldomir (1938-40) stellte die demokratischen Verhaltnisse wieder her. Nach verschiedenen Verfassungsanderungen, durch die u.a. 1952-66 das Amt des Prasidenten zugunsten eines kollegial besetzten Nationalrats abgeschafft wurde, nach der Prasidentschaft von J.Pacheco Areco (Colorados, 1967-72), die durch wirtschaftliche Schwierigkeiten, wachsenden Terror der Tupamaros und staatliche Gegengewalt gekennzeichnet war, regierte Prasident J.M. Bordaberry Avocena (Colorados) das Land wieder diktatorisch (1973 Auflosung des Parlaments, unbegrenzter Ausnahmezustand). 1976 wurde er durch das Militar gesturzt, eine Militarregierung bereitete in den folgenden Jahren den Ubergang zur Demokratie vor. Im November 1984 ging J.M. Sanguinetti (Colorados) aus den allgemeinen Wahlen als Sieger hervor (Amtsantritt 1985), er setzte mit einem gema?igt sozialdemokratischen Programm den Demokratisierungsprozess fort. Sein im November 1989 gewahlter Nachfolger, L.A. Lacalle (Blancos, Amtsantritt 1990), versuchte von neoliberalen Positionen aus, Wirtschaft und Staat zu sanieren (u.a. Privatisierung der unter Batlle y Ordoez geschaffenen Staatsbetriebe, Wahrungsreform). Die Wahlen 1994 gewann wiederum Sanguinetti (Amtsantritt 1995). Er setzte 1996 mit einem Referendum eine Verfassungsreform durch, die eine eindeutige demokratische Willensbildung ermoglicht. Unter seiner Regierung verminderte sich die Inflation erheblich, obwohl sich die gro?en Wirtschaftskrisen Lateinamerikas auch in Uruguay bemerkbar machten. Der 1999 gewahlte Prasident J.Batlle Ibaez (Colorados, Amtsantritt Marz 2000) versucht die Stabilitatspolitik gegen Widerstande der Gewerkschaften (Generalstreik Juni 2000) fortzusetzen.

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