Preisliste Brasilien

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Länder-Informationen zu Brasilien

 

Kurzinformation:

Flache: 8 547 404 km2
Einwohner: (2000) 169,2 Mio.
Hauptstadt: Brasilia
Verwaltungsgliederung: 26 Bundesstaaten, 1 Bundesdistrikt
Amtssprache: Portugiesisch
Nationalfeiertag: 7.9.
Wahrung: 1 Real (R$)= 100 Centavos
Zeitzone: MEZ 4 bis 6 h (von Osten nach Westen)

(amtlich portugiesisch Republica Federativa do Brasil, deutsch Foderative Republik Brasilien), Bundesstaat in Sudamerika, umfasst als funftgro?tes Land der Erde die ostliche Halfte (47 %) des Kontinents, grenzt im Norden an Venezuela, Guyana, Surinam und Franzosisch-Guayana, im Osten an den Atlantischen Ozean (rund 7 400 km Kustenlange), im Suden an Uruguay, im Westen an Argentinien, Paraguay, Bolivien und Peru sowie im Nordwesten an Kolumbien. Zu Brasilien gehoren noch mehrere Inseln im Atlantik.

Staat und Recht:

Nach der Verfassung vom 5. 10. 1988 (mehrfach, zuletzt 1997, revidiert) ist Brasilien eine prasidiale Bundesrepublik; Staatsoberhaupt und Regierungschef ist der Prasident (fur 4 Jahre direkt gewahlt). Die Legislative liegt beim Kongress, bestehend aus Senat (81 Mitglieder) und Abgeordnetenkammer (513 Abgeordnete). Wichtigste Parteien: Partei der Liberalen Front (PFL), Partei der Brasilianischen Sozialdemokratie (PSDB), Partei der Brasilianischen Demokratischen Bewegung (PMDB), Brasilianische Fortschrittspartei (PPB), Arbeiterpartei (PT). ? Jeder Bundesstaat verfugt uber eigene Gesetzgebungs-, Verwaltungs- und Gerichtsorgane.

Landesnatur:

Den grössten Teil Brasiliens nimmt das Brasilianische Bergland ein (500 – 1’100 m über dem Meeresspiegel, im Pico da Bandeira 2 890 m), das mit einem Steilabfall zur atlantischen Küste abbricht (Serra do Mar). Im Süden und Südwesten vorwiegend ein Stufenland mit zum Teil bedeutenden Landstufen (z.B. Serra Geral), geht es als Hügelland in das Küstentiefland (mit grossen Haffs) und das Tiefland des La-Plata-Systems über; im Südwesten erstreckt sich östlich des Paraguay das periodisch überschwemmte Tiefland des Pantanal. Nach Norden senkt es sich landeinwärts mit wenig ausgeprägten Höhenzugen und ausgedehnten Hochflachen (Planaltos, Chapadas) allmählich zum Tiefland des Amazonas. Im äussersten Norden hat Brasilien Anteil am Bergland von Guayana (Pico da Neblina, 3 014 m über dem Meeresspiegel, höchste Erhebung Brasiliens). Der ganze Norden gehört dem Stromgebiet des Amazonas an, der Suden mit den Oberläufen von Paraguay, Parana und Uruguay dem La-Plata-System, der Osten den kleineren Stromsystemen des Rio Sao Francisco und Parnaiba. Die meisten Flüsse sind wasserreich; Stromschnellen und Wasserfalle (z. B. Iguacu-, Paulo-Afonso-Falle) bilden ein grosses Wasserkraftpotenzial, behindern jedoch die Schifffahrt. Brasilien ist ein überwiegend tropisches Land mit Differenzierungen vom innertropischen Äquatorialklima (im Norden) über das Klima der wechselfeuchten Tropen bis zum subtropischen Klima (im Süden). Die brasilianische Ostküste erhält durch den Südostpassat ganzjährig Niederschlage. Die im Regenschatten liegenden Binnengebiete sind zum Teil sehr trocken und von Dürren bedroht. Im Amazonasbecken und am östlichen Gebirgsrand herrschen tropische Regenwälder vor, im inneren Bergland Savannen (Campos) mit Galeriewäldern längs der Flüsse und lichte Buschwälder, in Südbrasilien Höhengraslander und immergrüne Nadelwälder mit Araukarien. An der Küste kommen Mangrovenwälder vor.

Bevolkerung:

In der Bevolkerung uberwiegen nach statistischen Angaben mit etwa 54 % Wei?e (im Suden bis 85 %), 40 % sind Mischlinge (Mulatten, Mestizen, Cafusos), 5 % Schwarze, 0,5 % Asiaten (Japaner), 0,2 % Indianer. In Wirklichkeit uberwiegen die Mischlinge. Die ethnischen Grenzen sind flie?end, die latent vorhandenen Rassenprobleme sind eher sozialer Art. Die indigenen Volker (noch etwa 200 000?250 000) leben in kleinen Gruppen v. a. im Amazonasgebiet und sind in ihrer Existenz bedroht. Eingewandert sind seit Beginn der Kolonialzeit v. a. Portugiesen. Seit Ende des 16. Jahrhunderts wurden 3?4 Mio. schwarzafrikanische Sklaven ins Land gebracht, die um 1800 rund die Halfte der Bevolkerung ausmachten. Im 19. Jahrhundert kam es erneut zu lebhafter Einwanderung, zunachst von Deutschen und Italienern, dann v. a. von Polen, aber auch von Arabern und Japanern. Die Einwanderung (1820?1963 rund 5,5 Mio.) ist jedoch stark zuruckgegangen.

Die durchschnittliche Bevolkerungsdichte ist mit 20 Einwohner je km2 gering, doch ist die Verteilung sehr ungleichma?ig. In den Kustenregionen des Nordostens, Sudostens und Sudens leben auf rund 35 % der Flache rund 90 % der Gesamtbevolkerung; der jahrliche Bevolkerungszuwachs liegt bei 1,4 %. Der Anteil der Stadtbevolkerung nahm zwischen 1960 und 1998 von 45 % auf 80 % zu. Der massive Zustrom v. a. der Einwohner des Nordostens in die wirtschaftlich entwickelten Gebiete des Sudostens fuhrte zu einem starken Anwachsen der Elendsviertel (Favelas) in den Gro?stadten und stellt eines der dringendsten sozialen Probleme des Landes dar. Es besteht ein krasses Missverhaltnis zwischen einer kleinen wirtschaftlichen starken Oberschicht und der besitzlosen Masse; die Mittelschicht ist relativ klein. ? Etwa 75 % der Bevolkerung gehoren der katholischen Kirche an, weit uber 20 %, mit standig zunehmender Zahl, verschiedenen protestantischen Kirchen, unter denen die Pfingstkirchen besonders stark im Wachsen begriffen sind. Die judische Gemeinschaft zahlt rund 100 000 Mitglieder Besonderheiten des religiosen Lebens bilden mit weiter Verbreitung in der Bevolkerung die afrobrasilianischen Religionen (Umbanda, Candomble, Macumba) sowie der v. a. innerhalb der gesellschaftlichen Mittel- und Oberschicht vertretene europaische Spiritismus (Kardecismus). ? Die allgemeine Schulpflicht von acht Jahren (7.?15. Lebensjahr) wird vonrund zwei Dritteln der Kinder wahrgenommen; die Analphabetenquote liegt bei 17,3 %, inlandlichen Gebieten 38 %. Es bestehen 873 Hochschulen und ahnliche Einrichtungen, davon sind 114 Universitaten (davon 53 private).

Wirtschaft und Verkehr:

Brasilien, ein Land mit gro?en naturlichen Reichtumern, gehort zu den am starksten industrialisierten Landern Sudamerikas und gilt als typisches Schwellenland. Die Wirtschaftslage war in den 1980er-Jahren durch zunehmende Arbeitslosigkeit, rasch ansteigende Inflationsraten, stark schwankende Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und wachsende Defizite im Staatshaushalt gekennzeichnet. Die Auslandsverschuldung hatte sich stark erhoht, Zahlungsverpflichtungen aus Umschuldungsabkommen konnten zum Teil nicht erfullt werden. Seit 1990, verstarkt seit Mitte der 90er-Jahre, wurden umfassende Ma?nahmen zur Stabilisierung (»Plano Real«) der wirtschaftlichen Entwicklung ergriffen (Wahrungsreformen, Steuererhohungen, Subventionsabbau, Abbau der Auslandsschulden) und Privatisierungen, das hei?t die Aufhebung beziehungsweise Lockerung des Staatsmonopols in bestimmenden Wirtschafts- (Stahl-, Dungemittelindustrie, Petrochemie, Bergbau) und Infrastrukturbereichen (Eisenbahn, Telekommunikation, Wasserwirtschaft) sowie im Energie- und Banksektor eingeleitet. Im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Rezession in Asien (1997/98) wurde das Wirtschaftswachstum erheblich beeintrachtigt, konnte sich aber trotz der seit 2000 anhaltenden Krise im Nachbarland Argentinien, dem weltweiten Wirtschaftsabschwung, der landesinternen Energiekrise, einem sich abwertenden»Real« und einer Hochzinspolitik stabilisieren.

Land- und Forstwirtschaft:

Die Bedeutung der Landwirtschaft nimmt seit dem Zweiten Weltkrieg standig ab. Sie beschaftigt nur noch rund ein Viertel der Erwerbstatigen und tragt zu 14 % zum BIP bei. Nach dem Flachenanteil herrschen Gro?betriebe vor: Nur 10 % aller Betriebe sind gro?er als 100 ha, bewirtschaften aber insgesamt fast 80 % der Betriebsflache. Am wichtigsten fur den Export ist mittlerweile Soja, gefolgt von Kaffee, Baumwolle, Zucker, Kakao, Orangen u. a. Fruchten. Brasilien ist weltweit einer der wichtigsten Kaffeeproduzenten (Hauptanbaugebiet Nordparana); bei Sojabohnen und Sojaprodukten zahlt Brasilien zu den fuhrenden Anbietern auf dem Weltmarkt. Die Nahrungsmittelerzeugung (Maniok, Bohnen, Mais u. a.) kann den Inlandsbedarf nicht mehr decken. Zur Gewinnung von Alkohol aus Biomasse (36 % aller in Brasilien hergestellten Pkw sind alkoholangetrieben) wurde der Zuckerrohranbau ausgeweitet. Nur 4 % der landwirtschaftlichen Nutzflache sind Acker- und Dauerkulturland, der gro?te Teil dient als Weideland. Die Viehhaltung (v. a. Rinder, Schweine, Schafe) erbringt rund ein Viertel des landwirtschaftlichen Produktionswerts. Die Errichtung gro?er Viehfarmen in den Regenwaldern Amazoniens, v. a. langs der Transamazonica, fuhrte zu gro?flachigen Waldrodungen, die fur Umwelt und Klima bedrohliche Ausma?e angenommen haben. Die riesigen Waldbestande (45 % der Gesamtflache) werden au?er zur Nutzung einer Reihe von Edelholzern erst zu einem Bruchteil forstwirtschaftlich genutzt. Die Walder der sudlichen Bundesstaaten sind aber bereits weitgehend zerstort. Der Fischfang spielt nur eine untergeordnete Rolle; dennoch hat Brasilien 1970 die 200-Meilen-Zone eingefuhrt.

Industrie: 

Das produzierende Gewerbe erbringt einen Anteil von uber einem Drittel des BIP und beschaftigt rund ein Funftel der Erwerbstatigen. ? Die Lagerstatten des Eisernen Vierecks (im Suden des Bundesstaates Minas Gerais, sudlich und ostlich von Belo Horizonte, rund 7 000 km2), deren Eisenerze einen Metallgehalt von mehr als 60 % aufweisen, und die Eisenerzvorrate der Serra dos Carajas im sudostlichen Amazonien gehoren zu den reichsten der Erde; beachtlich sind ferner auch die Mangan-, Zinn- und Bauxitlagerstatten. Abgebaut werden auch Nickel-, Blei-, Wolfram-, Titan- und zunehmend Uranerze, Niob, Beryllium, Thorium u. a. sowie Quarz, Industriediamanten und Edelsteine (Smaragd [weltgro?ter Exporteur], Aquamarin, Topas u. a.), Gold, Silber, Platin. Die Steinkohlenvorkommen sind unzureichend. Die Erdolforderung deckt zu rund einem Viertel den eigenen Bedarf. Zentren der Forderung sind die Bucht von Bahia sowie bei Carmopolis/Sergipe; weitere Vorkommen im Kustenschelf des Bundesstaates Rio de Janeiro (Camposfeld). Erdgas wird im Amazonasbecken gefordert. Fahrzeug- und Maschinenbau, Elektrotechnik, Metallverarbeitung sowie die chemische Industrie tragen heute den industriellen Wachstumsprozess. Brasilien ist inzwischen der fuhrende Eisen- und Stahlproduzent und auch gro?ter Kraftfahrzeughersteller der Dritten Welt. Nachdem Brasilien Mitte der 80er-Jahre zum weltweit drittgro?ten Hersteller von Handelsschiffen und zum funftgro?ten Rustungsexporteur aufgestiegen war, schrumpften diese Wirtschaftszweige infolge des verstarkten internationalen Wettbewerbs erheblich. Die Konsumguterindustrie deckt weitgehend den inlandischen Bedarf. Das verarbeitende Gewerbe konzentriert sich auf die Region Sudost, auf die Bundesstaaten Sao Paulo, Minas Gerais und Rio de Janeiro. ? Die Stromerzeugung stammt zu rund 90 % aus Wasserkraft; am Parana entstand eines der gro?ten Kraftwerke der Welt (Itaipu mit 12 600 MW) in Zusammenarbeit mit Paraguay, am Tocantins ein weiteres (8 000 MW); das erste Kernkraftwerk (626 MW) Brasiliens nahm 1982 den Betrieb auf, ein zweites (Angra II [1 300 MW] im Rahmen des deutsch-brasilianischen Abkommens) steht vor der Fertigstellung. ? Au?enwirtschaft: Aufgrund der Importoffnungsma?nahmen von 1994 fuhrten die darauf folgenden uberdurchschnittlichen Importwachstumsraten erstmals seit 1983 wieder zu einem Handelsbilanzdefizit. Das Au?enhandelsvolumen hat sich 1998 auf uber 100 Mrd. US-$ erhoht. Haupthandelspartner sind die USA, die EU-Staaten, Argentinien, Japan, Argentinien und Kanada.

Verkehr:

Der Ausbau des Stra?ennetzes (1,98 Mio. km) hat in den vergangenen Jahren gute Fortschritte gemacht; wichtig sind die Fernstra?en, die Amazonien erschlie?en (Transamazonica) und Brasilia mit den ubrigen Landesteilen verbinden. Die Eisenbahn mit einer Streckenlange von rund 29 000 km ist infolge wechselnder Spurbreiten, veralteter Anlagen, niedriger Fahrgeschwindigkeit und mangelhafter Betriebssicherheit nur wenig leistungsfahig. Brasilien ist die fuhrende Schifffahrtsnation Sudamerikas. Wichtigste Hafen: Rio de Janeiro und Santos; ferner Kusten- und Binnenschifffahrt (rund 50 000 km Wasserstra?en). Fur gro?e Teile des Landes bietet die Luftfahrt die einzige Transportmoglichkeit; gro?te internationale Flughafen: Sao Paulo (Guarulhos), Rio de Janeiro (Galeao) und Brasilia; wichtigste Luftverkehrsgesellschaft: VARIG S. A.

Geschichte
Kolonialzeit und Monarchie: 

Der Portugiese P. A. Cabral landete 1500 an der brasilianischen Kuste und nahm sie fur Portugal in Besitz. 1532 begann die portugiesische Besiedlung der Kustenstriche; 1549 wurde in dem neu gegrundeten Bahia ein Vizekonig eingesetzt (seit 1763 in Rio de Janeiro). Wahrend im Kustengebiet der mit afrikanischen Sklaven betriebene Zuckerrohranbau aufbluhte, drangen von Sao Paulo aus die Waldlaufer (Bandeirantes) bis an die Vorberge der Anden; die Indianer wurden dabei weithin ausgerottet oder versklavt. Die Suche der Bandeirantes nach Gold und Diamanten fuhrte im 18. Jahrhundert zu den gro?en Funden in Minas Gerais, Mato Grosso und Goias. Vor Napoleon I. fluchtete 1807 der portugiesische Konig Johann (Joao) VI. nach Brasilien; damit wurde Rio de Janeiro Hauptstadt des portugiesischen Reiches. Als nach der Ruckkehr des Konigs 1821 das Land wieder den Status einer Kolonie erhalten sollte, erklarte sich Brasilien am 7. 9. 1822 fur unabhangig; der portugiesische Regent, altester Sohn Johanns, wurde als Peter (Pedro) I. zum Kaiser von Brasilien ausgerufen (1825 von Portugal anerkannt). Innere Unruhen veranlassten ihn 1831 zur Abdankung; erst in den 1840er-Jahren stabilisierte sich unter seinem Sohn Peter II. die politische Lage. Die Sklaverei wurde bis 1888 aufgehoben; gleichzeitig nahm die Wirtschaft, besonders der Kaffeeanbau in Sao Paulo, einen bedeutenden Aufschwung, die Zahl der Einwanderer wuchs standig.

Republik im Schatten des Militars: 
Durch einen Putsch wurde 1889 die Monarchie beseitigt; nach der republikanischen Verfassung vom 24. 2. 1891 wurde Brasilien nach dem Vorbild der USA ein Bundesstaat, in dem Sao Paulo und Minas Gerais den vorherrschenden Einfluss erlangten. Der Kaffeeexport stieg stark an. Wahrend des Ersten Weltkrieges begann die Industrialisierung, doch wurde nach 1918 die wirtschaftliche Entwicklung durch haufige Militarrevolten beeintrachtigt; Weltwirtschaftskrise und Zusammenbruch des Kaffeemarktes verstarkten die finanziellen und sozialen Schwierigkeiten, die politischen Lager radikalisierten sich. Prasident G. D. Vargas (1930?45, 1951?54), durch eine Aufstandsbewegung 1930 an die Macht gelangt, entwickelte uber die Verfassung von 1934 und 1937 (Errichtung des »Estado Novo«) eine diktatorische Regierung. Aufstande der Kommunisten (1935) und der faschistischen Integralisten (1939) schlug er nieder. Im Zweiten Weltkrieg kampfte ein brasilianisches Truppenkontingent auf westalliierter Seite in Italien. Nach dem Sturz von Vargas (1945) fuhrte Prasident General Eurico Gaspar Dutra (1946?51) wieder ein demokratisches System ein (Verfassung von 1946). Der als Nachfolger 1951 nunmehr gewahlte Vargas verfolgte eine stark wirtschaftsnationalistisch gepragte Politik (Drosselung auslandischer Investitionen). 1954 von der Opposition zum Rucktritt gezwungen, beging er Selbstmord. Prasident J. Kubitschek de Oliveira (1956?61) bemuhte sich um Erschlie?ung des Landesinneren (Bau von Brasilia). 1964 ubernahm das Militar die Staatsgewalt, nachdem Prasident J. Goulart (1961?64) versucht hatte, eine Landreform und die Verstaatlichung von Erdolraffinerien durchzusetzen. Bis 1985 stellte die Armee die Prasidenten, die bis 1978 durch Dekrete regierten und die Opposition hart unterdruckten. Die Aufhebung der Ausnahmegesetze zum 1. 1. 1979 leitete einen Demokratisierungsprozess ein.

Demokratisierungsprozess bis heute:

Die Prasidentschaft von J. B. de Oliveira Figueiredo (1979?85) stand im Zeichen wirtschaftlicher Rezession, wachsender Auslandsschulden und hoher Inflationsraten. Innenpolitisch setzte Figueiredo den Demokratisierungsprozess fort. So lie? er u. a. eine freiere Bildung politischer Parteien zu. Im Januar 1985 bestimmte ein Wahlmannergremium T. de Almeida Neves zum Prasidenten; da Krankheit ihn am Amtsantritt hinderte, fuhrte Vizeprasident Jose Sarney die Geschafte und ubernahm nach Neves’ Tod (22. 4. 1985) das Amt. Sarney suchte unter dem Druck des Internationalen Wahrungsfonds die hohen Auslandsschulden abzubauen und die Wirtschaftskrise zu bewaltigen (1988: Inflationsrate 934 %; Wahrungsreform mit Umwertung 1 : 1 000). Mitte der 80er-Jahre formierte sich die »Bewegung der Landlosen«, die eine Agrarreform fordert. Am 5. 10. 1988 trat eine neue Verfassung in Kraft (u. a. Direktwahl des Prasidenten). Der Ende 1989 gewahlte Prasident F. Collor de Mello trat im Marz 1990 sein Amt an. Seine Bemuhungen um Sanierung der Wirtschaft hatten nur vorubergehend Erfolg. In eine Korruptionsaffare verwickelt, wurde er vom Parlament am 29. 9. 1992 seines Amtes enthoben. Am 2. 12. 1992 ubernahm der bisherige Vizeprasident I. Franco das Amt des Staatsoberhauptes. Am 21. 4. 1993 bestatigte die Bevolkerung die bestehende Staats- und Regierungsform. Im Rahmen eines Stabilisierungsprogramms trat am 1. 7. 1994 mit der Einfuhrung des »Real« als Wahrungseinheit eine Wahrungsreform in Kraft. Bei den Prasidentschaftswahlen vom 3. 10. 1994 siegte F. H. Cardoso (PSDB) mit 54,28 % der Stimmen (Wiederwahl 1998). Im Sinne des bereits 1991 begonnenen Privatisierungsprozesses setzt die Regierung Cardoso in ihrer Wirtschaftspolitik die Lockerung des Staatsmonopols in den Bereichen Energieerzeugung, Erdolforderung und Telekommunikation fort. Zu den ungelosten innenpolitischen Problemen gehoren eine immer noch ausstehende echte Agrarreform, Menschenrechtsverletzungen (so gegenuber den Indianern des Amazonasgebiets) und ein Abbau des Verwaltungsapparats.

Im November 1994 trat Brasilien dem Vertrag von Tlatelolco uber die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen in Amerika bei. Am 1. 1. 1995 trat der Vertrag uber die Zoll- und Freihandelszone Mercosur in Kraft.

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